Samstag, 4. Dezember 2004

Bernd und die kackende Katze 2 - Die Rückkehr

Ein Jahr nachdem Bernd, der sympathische Kürbis aus Dreyen aus seiner natürlichen Umgebung gerissen wurde, begab es sich, dass eine Schülergruppe, ein vom EGB organisiertes Methodentraining abzuhalten hatten. Sie setzten sich wie einst Nico und seine Kollegen in den Garten hinter dem Haus und sahen sich um. Das erste, was sie erblickten war das Kürbisbeet. Früher hatte hier Bernd geruht, bevor ihn zwei dumme Jungen davontrugen und ihn als Belustigungsobjekt zur Schau stellten. Nicht einmal der Suff konnte diesen Frevel entschuldigen.

Die Geschichte von Bernd hatte schon längst den Status einer Legende erhalten. Viele hatten nur Brocken der wahren Begebenheiten gehört und reimten sich den Rest zusammen. Drei Jungs standen bedächtig am Kürbisbeet und starrten auf die Erde. Ein kleines Schild im Boden erinnerte an den damaligen Inhaber von diesem Plätzchen Erde. Auf einem Holzschild stand, kaum noch lesbar durch den Niederschlag der letzten Tage: Bernd! Einer von ihnen, sein Name war Nico meinte mit gedämpfter Stimme: „Leute, ihr glaubt doch nicht, dass ein Kürbis sich rächen könnte, oder?“ Einer seiner neuen Mitschüler drehte sich zu ihm: „Du hast den verfluchten Namen! Ich würde mich an deiner Stelle in Acht nehmen.“ Nico lachte: „Morgen geh ich eh nach Hause, Scheisse hier!“

Am Abend des ersten von drei Tagen, die das Training dauern sollte, setzten sich die Schüler abends um den Tisch, an dem auch die damalige HY 201 gesessen hatte, um gemütlich beisammen zu sein und Erfahrungen auszutauschen, sowie eine Menge Alkohol zu trinken. Obwohl ein ausgesprochenes Alkoholverbot herrschte, hatte jeder etwas zu trinken mitgebracht. Nico war einer der ersten, der seinen Pegel erreicht hatte und er fing an Dünnschiss zu erzählen: „Wisst ihr, wenn das hier keine Schulaktion wäre, dann würd‘ ich euch alle vögeln!“ Mit einem Klatschen und Grölen bejubelten seine Kameraden diese Aussage. Herbert und Oliver lachten sich halb über ihn kaputt. Nico, der nicht mehr im Stande war, klar zu sehen, griff nach der Flasche Wodka. Daneben! Er sah seine Hand an und wunderte sich, warum sie ihm nicht das kühle Nass ins Glas füllte. Lautstark verkündete er: „Flasche ist leer, Ich bin voll! Ich geh pissen!“ Mit diesen Worten ging bzw. taumelte er in Richtung Gemüsegarten. Vom Tisch wehte gellendes Gelächter hinter ihm her!

Er versuchte einen Fuß vor den anderen zu setzen, aber es war unmöglich. So passierte es, dass er über seine eigenen Füße stolperte und im Kürbisbeet lag. Mit einem Schrei richtete er sich wieder auf. Er sah an sich herunter und musste bemerken, dass seine Kleidung komplett zugesaut war. Es begann zu regnen und er war immer noch nicht pissen gewesen. Er dachte nach, wobei er so laut dachte, dass jeder in seiner Nähe an seinen Gedanken teilhaben konnte: „So eine verdammte Scheiße, bevor ich reingehe muss ich pissen, sonst explodiere ich! Ah, da ist‘s gut!“ Er ging hinter die Mauer, die den Gemüsegarten vom restlichen Garten abgrenzte und hielt seinen Lurch in den Regen. Während er so da stand und seine Blase leerte, verspürte er plötzlich den Drang, mit seinem Genital ein Gespräch anfangen zu müssen. Der Regen hatte schon wieder aufgehört. Oliver und Herbert hatten sich aufgemacht, Nico zu suchen. Sie hörten ihn reden: „Du dummes Stück, gehst du wohl da rein! So widerspenstig bist du doch sonst nicht! Du kleiner Lümmel, du!“ Sie sahen sich an und wussten Bescheid. Lange schon hatten sie vermutet, dass Nico schwul sei, dies schien es zu bestätigen. Oliver hatte eine Idee, wie sie Nico erschrecken würden. Sie teilten sich auf und wollten sich ihm von beiden Seiten nähern. Doch Nico war schneller. Ein spitzer Schrei durchschnitt die Luft. Als wenn er sich entschuldigen wolle schrie Nico: „Es tut mir leid, sowas passiert mir sonst nie!“ Ein zweiter Schrei folgte, bevor er hinter der Mauer hervorkam. Olli und Herb sahen ihn fragend an: „Warum hast du eine Hand in der Hose?“ Nico fing an mit der Hand kreisende Bewegungen in seiner Hose zu vollziehen: „Ich hab mir die Eichel im Reißverschluss eingeklemmt? Habt ihr noch kühles Bier?“ Nachdem sie vor Lachen fast umgekippt wären fragten sie ihn: „Willst du damit kühlen oder was? Warte hier draußen, die machen schon Kontrollgänge!“ Mit diesen Worten gingen sie los um ihm kühles Bier zu holen.

Er setzte sich derweil mit Tränen in den Augen ins Kürbisbeet, genau an die Stelle, wo das Bernd Schild war. Die Erde war locker. Es kam ihm vor als wäre etwas unter ihm, das darauf wartete heraus zu kommen. Er malte sich aus, wie er im Boden versinken würde und plötzlich im Reich der Kürbisse wäre. Alle würden sie ihn anstarren, weil er so anders war als sie. Die ganze Kürbiskolonie würde mit ihm tanzen und um ihn herumrollen. Dann dachte er plötzlich an Kürbiskuchen. Er machte die Augen auf und merkte, dass sich unter ihm etwas bewegte. Sofort sprang er auf. Die Erde bewegte sich und wich zur Seite. Langsam aber sicher kam etwas orangefarbenes zum Vorschein. Nico stockte der Atem: „Aber ich dachte, Bernd wäre tot!“ Der Kürbis hatte ein Gesicht. Es war ein bösartiger Ausdruck von seinem Gesicht abzulesen. Das Mondlicht blitzte durch die Äste der umherstehenden Bäume und ließ den Kürbis noch bösartiger aussehen. Nico packte sich an den Kopf: „Alkohol, oh Alkohol!“ Er war im Begriff in das Gebäude zu gehen, als ihn etwas festhielt. „Du bleibst hier...für immer!“ Er drehte sich um. Ein riesiger Kürbis zog ihn an Ranken zu sich und biss ihm seinen Kopf ab. Dann zog er den Rest des Kadavers mit ins Erdreich, in dem er wieder verschwand.

Als Olli und Herbert wieder draußen waren, war Nico verschwunden. Kopfschüttelnd und mit dem Gedanken, er sei in dem Zustand irgendwo in die Pferdeweide gelaufen, um zu kotzen, gingen sie in ihre Schlafgemächer. Dort redeten sie noch lange Zeit über die Legende von Bernd und überlegten, wer aus ihrer Klasse mögliche Kandidaten einer Rache von Bernd waren. Aber bis auf Tanja fiel ihnen niemand ein. Simon schlief schon lange, als sie auch beschlossen sich hinzulegen. Er hatte von ihren Gesprächen nichts mitbekommen. Dazu war er zu breit gewesen.

Am nächsten Morgen war Olli relativ früh wach und ging nach draußen, um erst mal eine zu rauchen. Er stellte sich an das Kürbisbeet, von hier aus hatte man einen super Ausblick über die Landschaft. Während er den Rauch in die Umgebung pustete hielt er Ausschau nach Nico. So langsam machte er sich Sorgen, dass ihm was passiert sein könnte. Vor allem machte er sich Sorgen, dass er dafür den Anschiss bekommen würde. Nachdem er ausgeraucht hatte, war er den Rest zielsicher auf das Bernd Schild. Es war zwar bewölkt aber die Sonne blitzte ab und zu durch die Wolken. Genau jetzt war wieder einer dieser Momente. Der Sonnenstrahl fiel auf das Schild und der Name Bernd leuchtete kurz auf. Verwundert rieb sich Olli die Augen. Als er die Hände wegnahm, bemerkte er eine enorme Wärme. Ein riesiger Kürbis mit einer riesigen Zigarette im Mund war vor ihm. Mit einer der Ranken, die den Kürbis umgaben, warf er die Zigarette auf Olli. Dieser fing sofort Feuer. Er wollte schreien, doch es war nicht möglich. Eine der Ranken hatte ihn am Hals gepackt und drückte ihm die Luftzufuhr ab. Nach einer Weile war Olli erstickt. Jedoch noch nicht verbrannt. Der brennende Leichnam wurde mit dem Riesenkürbis in die Tiefe gerissen, bevor sich die Erde wieder über ihm sortierte.

Bei der Anwesenheitskontrolle erfuhren die Lehrkräfte nun auch, wer fehlte. Nico und Oliver Alexander waren nicht auffindbar. Die Lehrer dachten sich nichts weiter dabei. Erst in der Mittagspause wurden einige nervös. Simon war nur auf die Toilette gegangen, aber nicht wieder aufgetaucht. Herbert gefiel das. Es erinnerte ihn an das Skript eines Horrorfilms. Nacheinander verschwanden alle, die in irgendeiner Weise einen Zusammenhang haben zu Bernd. Nur Simon verstand er nicht. Erst nachdem er nachgelesen hatte, dass Simons Nachname Eckelt war, begann es ihm zu dämmern. Es gab nur noch zwei wichtige Personen in der Legende um Bernd, die eine war Tanja, de zusammen mit Simone, laut der Legende damals den Kürbis umhertrugen, um Nico zu erschrecken und die andere, die Namensgeberin: Ilka. Aber es gab keine Ilka bei ihnen. Überall suchte Herbert während der Mittagspause nach Tanja aber nirgendwo war sie auffindbar. Am Nachmittag hatte sich die Liste der Vermissten Personen auf 4 erhöht, denn Tanja war nicht wieder aufgetaucht. Es konnte nur eine der Lehrkräfte sein, die Ilka hieß. Herbert fragte sich durch bei den Lehrerinnen. Die Chance stand 4 zu 1. Allerdings wusste er sofort, dass er die fragen musste, die aussah als hätte sie 12 Jahre lang auf dem Straßenstrich in Moskau gearbeitet und noch nie einen deutschen Penis gesehen. Der Nachname war ein eindeutiger Hinweis: Stoichov! Er fragte sie: „Frau Stoichov, was würden Sie sagen, wenn ich ihren Vornamen errate und ihnen sage, dass Sie in Lebensgefahr schweben?“ Sie sah ihn an und rechnete wahrscheinlich im Kopf schon aus, wie viel sie an diesen Schülern verdienen könnte, bei maximaler Stundendauer. Dann antwortete sie: „Versuchs mal!“ – „Sie heißen Ilka Stoichov und Bernd hat‘s auf Sie abgesehen!“ Erst zeigte sie ihm den Vogel und dann fragte sie ihn: „Fangt ihr jetzt schon am Tag an zu saufen?“ Er drehte sich um und packte seine Sachen. Er wollte weg, so schnell wie möglich. Es regnete den ganzen Nachmittag. Der Boden draußen war so weich, dass man kniehoch im Matsch versank, wenn man herausging. Herbert, der als einziger auf seinem Zimmer lag, weil die anderen verschwunden waren sah aus dem Fenster. Er sah zwei Gestalten, eng umschlungen im Gewitter. Es war Nacht und er konnte sich schon denken, wer bei diesem Wetter draußen war. Soviel verdient man ja nun als Lehrerin auch nicht. Er spürte, dass etwas schreckliches passieren würde.

„Ich will dich jetzt! Hier auf dem Boden!“ Mit diesen Worten warf Ilka ihren Kollegen zu Boden. Dieser Fragte: „Kostet das dann extra?“ Sie zog ihm sein Hemd aus und hauchte: „Nein, das ist umsonst!“ Sie wälzten sich im Schlamm und entledigten sich Stück für Stück ihrer Kleidung. Plötzlich lag jemand neben ihnen. Si e schrie auf. Es war Simon. Bei näherem Betrachten bemerkte sie, dass sein Oberkörper ein Loch aufwies, aus dem die Innereien heraushingen. Sie drehte sich um und wollte davon laufen. Während sie lief, stolperte sie über die enthauptete Leiche von Nico und landete direkt auf dem verkohlten Leichnam von Olli. „Zarewitsch, rette mich!“ Als Ilka in seine Richtung sah, musste sie mit ansehen, wie dieser in der Luft vom Kürbis zerrissen wurde. Sie stolperte weiter und landete dann auf dem Betonboden vor dem Gebäude. Der Riesenkürbis kam immer näher. In seinen Ranken hatte er eine beträchtliche Anzahl an Dildos. Kurz vor ihr blieb er stehn. Sie machte ihm ein Angebot: „Wie wäre es mit 300 für die ganze Nacht?“ Er hielt ihr einen Dildo hin. Sie griff nach ihm und wusste sofort, was er sehen wollte. Sie führte den batteriebetriebenen Penis oral ein. Eine andere Ranke schnellte los und stopfte ihr einen weiteren Dildo in den Mund. Und als ob das nicht genug wäre folgten weitere. Als sie aufhörte diese anzunehmen rammte der Riesenkürbis ihr einen nach dem anderen in den Körper. Nach wenigen Sekunden verstummte ihr Röcheln und sie war tot. Der Riesenkürbis verzog sich wieder. Herbert lag die ganze Nacht zitternd in seinem Bett.

Am nächsten Morgen wachte er auf. Überall war Polizei und die Jugendlichen wurden nacheinander von Psychologen und Polizisten zu den Vorgängen befragt. Nachdem er der Polizei die ganze Story erzählte, wurde er unter dringendem Tatverdacht abgeführt und vorläufig festgenommen. Seine Psyche hatte diese wüste Geschichte erfunden, um zu verdrängen, dass er der Mörder war.

Sonntag, 14. November 2004

81-18

Gedreht die Zahlen 8 und 1

Das Alter sie verraten

So wird sich aus der hohen Zahl

Die 18 uns gestalten


Ein neues Lebensjahr beginnt

Als wär’s das erste Mal

Wenn auch die Knochen älter sind

Entscheidend nicht die Jahreszahl


Ob 81 oder 18

Was immer auf der Strecke lag

Jenen Tag zurück zu sehn

Des 18ten Geburtstag

Sonntag, 24. Oktober 2004

Am Strand I

Weiße Wolken, blaues Meer

Wo kommen all die Haie her?

Haben Hunger, wollen Fleisch

Der Strand erfüllt ist von Gekreisch


Freitag, 22. Oktober 2004

2028

Der Menschen Ende ist gekommen

Das Leben in der ganzen Pracht

Der Pfand wird dann zurückgenommen

Die Erde nie dem Mensch gedacht


Erst wenn das Ende greifbar nah

Ein jeder Mensch wird erst verstehn

Der Erden Ende selbst er war

Hilflos wird allein er stehn


Andre die so sind wie er

Alles das was kreucht und fleucht

Gibt es dann schon längst nicht mehr

Der Planet ist längst verseucht


Einig sind sich jene Krieger

Die zu kämpfen für die Einheit

Denn sie sind die wahren Sieger

Sterben in der Allgemeinheit

Montag, 19. Juli 2004

Alte Freunde

Lange Zeit ist es vergangen

Nichts ist so, wie es einst war

Die Liebe nie erwidert sie

Er hatte es verstanden


Einst trafen sie sich wieder

Verstanden sich wie alte Freunde

Und kannten sich so gut wie nie

Obwohl sie nichts vom andern wussten


Wie die Geschichte enden soll

Weiß weder sie, noch weiß es er

Alte Freunde, ja die haben’s schwer!


Dienstag, 20. April 2004

Bernd und die kackende Katze (Original 2002 Version)

nach einer wahren Begebenheit

Diese Geschichte ist der Klasse HY 201 des Jahrgangs 2002/2003 am Ehrich Gutenberg Berufskollegs gewidmet und soll eine Erinnerung an die legendäre Dreyen-Fahrt sein. Jegliche Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind gewollt, da dieses Dokument nicht der Beschönigung einiger wirklich so geschehenen Tatsachen dienen soll. Wer sich in irgendeiner Weise beleidigt oder falsch dargestellt fühlt durch dieses Dokument, kann sich ja beschweren!

Es war an einem sonnigen Septembermorgen als sich ein Drittel der Klasse HY 201 in einem vollbeladenen Auto, das durch das enorme Gewicht nicht besonders schnell voran kam auf den Weg machten in das kleine Provinznest, dessen Ortsausgangsschild man beim Einfahren in den Ort schon lesen konnte. Die Verantwortlichen hatten sich ausgedacht, dass es eine Klassenfahrt werden sollte, bei der sich die Schüler untereinander kennen lernen sollten, während nebenbei noch einige Lernmethoden und Inhalte gelehrt wurden. Nach einigem Herumsuchen fanden sie dann doch den Schotterweg, der sie direkt vor die Haustür des umgebauten Bauernhofes geleitete. Steffi - die Fahrerin, Fabian, Simone, Nico und Alex waren die ersten ihrer Klasse, die an diesem Ort ankamen. Der blaue Himmel trügte, denn kühl war’s und es wehte ein leichter Wind. Nach und nach kamen auch alle anderen an und gesellten sich zu den Erstankömmlingen. Die Klasse war schon eine Einheit als sie in Dreyen ankam. Es gab auch eine Parallelklasse, die sich in kleine Gruppen aufteilte und Diskussionen führte. Als dann eine knappe halbe Stunde später alle beisammen waren, war der Zeitpunkt gekommen, die Zimmer zu beziehen. Noch wusste keiner von ihnen, dass diese Nacht ihr Leben verändern würde. Tagsüber hatte man Spaß, diskutierte viel, lernte sich untereinander besser kennen und lachte viel. Der Tag verlief in ruhigen Bahnen und der Abend war frei, alle versammelten sich draußen vor dem Jungenschlafzimmer um einen kleinen Tisch, da es keine Nachtruhe gab hieß das nur eines: „SAUFEN!“

Es muss um die zehn Uhr herum gewesen sein, als die Flaschen auf den Tisch kamen, man hatte schon viel geredet, da bekam man ja auch Durst. Eine bunte Mischung allerlei, stand dort auf dem Tisch beisammen. Wodka, Kirschlikör, Erdbeerlimes, Batida de Coco und Bier. Jeder konnte alles trinken. Zu diesem Zeitpunkt waren nur 11 der insgesamt 14 Schüler auf dem Gelände. Diese saßen geschlossen um den Tisch herum und starrten auf den Alkohol. Wem es einfiel aus Gläsern zu trinken ist ja eigentlich egal, auf jeden Fall war es eine gute Idee. Als dann endlich Gläser am Ort waren gingen die Gespräche über die Vergangenheit und die Bekannten, alte Freunde und über alle möglichen Themen weiter. Alle Flaschen waren nach einer halben Stunde noch fast halb voll außer einer, sie war leer. Es war die Flasche Wodka, die sich Fabian und Nico geteilt hatten. Fabian kauerte nach seinem Genuss wie ein Häufchen Elend etwas abseits der Gesprächsrunde und sagte kein Wort. Nico dagegen wurde immer euphorischer. Eine seiner Mitschülerinnen schien ihn zu nerven. Alle redeten, doch kaum, dass sie ein Wort dazu sagte, kam seinerseits ein ‚Halt die Schnauze’ oder ‚Bla bla bla’. Es war Ina, nachdem er noch ein paar Bierchen getrunken hatte, dufte man ihn gar nicht mehr ansprechen und bekam nur ein ‚Bla bla bla’ oder ‚Du kriegst gleich eine’ zu hören. Nico stand dann irgendwann unvermittelt auf. Um zu gewährleisten, dass er sich nicht verletzt, oder besser um zu lachen sobald er kotzt ging Alex mit, bis er bemerkte, dass Nico einen ganz anderen Plan verfolgte. Sie gingen auf das Gemüsebeet zu und Nico nahm den erstbesten Kürbis und gemeinsam schafften es die beiden den Kürbis aus seiner Verankerung zu reißen. Dann rollten sie ihn in Richtung ‚Party’. Auf dem Weg dorthin machte sich der Kürbis kurz selbständig und rollte über Alex Fuß nachdem er Nico zu Fall brachte und dieser mit seiner Hose im vom Nachmittags gefallenen Niederschlag angefeuchteten Boden landete. Nach einigen Minuten schafften sie es dann doch wieder bei den feiernden Kollegen anzukommen. Dort angekommen stellten sie fest, dass der Kürbis noch keinen Namen hatte. Also nahmen sie zwei Dosen vom Alsterbier von Alex und fragten die in diesem Moment sehr nett erscheinende Ilka, die gerade erst zurückgekehrt war um Rat. Nico fragte mit einem Lallen in der Stimme: „Wie sollen wir den Kürbis nennen?“ Ilka: „Den Kürbis?“ Mit einer Hand am Kopf und einem Lachen im Gesicht fragte sich Ilka ob Nico das ernst meinte. Alex versuchte zu erklären: „Jedes Lebewesen braucht auch einen Namen und der Kürbis hier ist jawohl ein so nettes Lebewesen!“ Nico fragte noch einmal, während er dann auch für Ilka den Blick auf den sympathischen Kürbis freigab: „Wie sollen wir ihn nennen?“ Ilka antwortete dann plötzlich ganz spontan: „Bernd!“ Daraufhin nahmen sie die Dosen und ergossen Teile des Inhalts über den Kürbis: „Wir taufen dich auf den Namen Bernd!“ In genau diesem Moment bekam Bernd eine Persönlichkeit und wurde Ehrenmitglied der Klasse HY 201. Während das fröhliche Treiben immer weiter ging saß Bernd leicht außerhalb und beobachtete das Geschehen. Er sah fröhlich aus. Irgendwann ist jede Party zu Ende und so endete auch diese. Doch wie man leider feststellen musste, sehr abrupt. Auf dem Flur im Gebäude ging Licht an. Fabian, der vor einer knappen halben Stunde bereits auf seinem Bett eingeschlafen war während er auf das Bett gefallen war, bekam vom Ende der Party nichts mit. Er hatte noch seine Jacke und seine gesamten Klamotten an, sogar seine Brille hatte er noch auf als die Party beendet war, Bevor er dort gelandet war, hatte Fabian einige Zeit neben dem Klo verbracht, weil er versucht hatte den Deckel zu reparieren. Dort wurde er dann irgendwann von Benjamin entdeckt und ins Bett gebracht. In hektischer Eile wurden die Reste, soweit es überhaupt welche gab ins Gras gekippt und die Flaschen und Dosen in eine Tüte gepackt und in den Busch der neben der Sitzecke war gestellt. Als die Lehrer Herr Kasfeld und Frau Gongoll am Tatort eintrafen war der Tisch fast leer, ein paar Aschenbecher, Alsterbier und Knabbereien waren noch zu sehen. Auf einem Stuhl ein völlig besoffener Nico und der Rest hatte sich verdrückt. Nachdem er sich nach dem Zustand von Nico erkundigt hatte ging auch Alex ins Gebäude um ein wenig zu schlafen. Bernd hatte das alles relativ kalt gelassen und er war nicht von Nicos Seite gewichen, wie sollte er auch, ohne Beine. Da er durch das ewige Hindurchlaufen von Frau G oder Herr K nicht schlafen konnte musste Alex bis 3 Uhr warten, als Nico endlich ins Gebäude kam und den Kampf gegen das Kotzen gewonnen hatte. Knappe 3 Stunden waren die beiden Lehrkräfte ewig durch das Zimmer nach draußen zu Nico gerannt um ihn nach seinem Gesundheitszustand zu fragen und Witze über Fabian und die Trinkorgie zu machen. Zwischendurch besuchte auch Bernds Namensgeberin das Jungenzimmer, sie war nur gekommen um zu erfahren wer so schnarchen würde, da es Bernd nicht war, Nico draußen saß und Alex wach war und mit ihr redete konnten es nur zwei Personen gewesen sein. Als Frau G von draußen kam verschwand Ilka genau so schnell wie sie erschienen war.

Der zweite Tag war der reinste Albtraum für einige, vor allem die Alkoholiker aus der Parallelklasse hatten schwere Verluste hingenommen in der letzten Nacht, während die HY 201 vollzählig und pünktlich am Frühstückstisch erschienen war mit Ausnahme von Bernd, man wollte ihm nicht zuviel zumuten, waren es derer nicht einmal die Hälfte. Nach dem gemeinsamen Frühstück ging Herr K mit den Schülern der HY 201 beziehungsweise einem Teil davon an den Ort an dem die Tüte lag und kippte diese aus. Mit Entsetzen stellte er fest, was er die letzte Nacht nur vermutet hatte, die Jungs und Mädels hatten richtig einen gebechert. Er schien sehr erstaunt über das Ausmaß gewesen zu sein und über eine Flasche Korn, die ihnen von der Parallelklasse untergejubelt wurde. Mit den Worten: „Das habt ihr alles allein ausgetrunken?“ und „Das muss entsorgt werden!“ war das Thema abgehakt. Da es ein Teil des Methodentrainings war musste bis um 18Uhr gearbeitet werden, die meisten haben um 16Uhr schon das Handtuch geworfen und die Arbeit eingestellt, andere haben das Programm durchgezogen um dann, draußen auf den kleinen Rasenplatz zu gehen um Football zu spielen beziehungsweise sich den Ball zu zuwerfen. Dabei hatte man viel Spaß und die kleine Gruppe bestehend aus denen die gemeinsam mit dem Auto ankamen und Benjamin ging allein nach dem Sport in den Speisesaal und setzte sich so weit es ging von der Parallelklasse entfernt hin und baute sich ein kleines Menü auf. Nachdem sie gespeist hatten nahmen sie ein paar Flaschen Cola mit und gingen auf den Rasenplatz, dort setzten sie sich auf ihre Jacken und lachten die ganze Zeit über Nichtigkeiten und Flachwitze. Jeder Außenstehende hätte denken müssen, dass hier schon wieder ein kleines Besäufnis stattfände.

Plötzlich vernahmen sie einen elenden Gestank und sie sahen sich um, da sahen sie eine Katze, schwarz wie die Nacht und langsam wie eine Schnecke. Sie lief einmal um sie herum, nach einiger Diskussion waren sie sich einig, die Katze war es die so stank, sie beobachteten die Katze, wie sie umherzog und sich auf den Misthaufen legte, sich einmal darauf wälzte und wieder in ihre Richtung ging. Benjamin, der den Football in der Hand hielt überlegte kurz und warf den Ball dann mit ein wenig Kraft in Richtung der Katze, die voll vom Football getroffen wurde und daraufhin lief, wie von der Tarantel gestochen. Nach ein paar Sekunden war sie verschwunden. Bernd lag hinten im Garten und wusste genau, dass seine Zeit noch bevorstände. Nach einiger Zeit waren auch die Cola Flaschen leer und man verzog sich in das Jungenzimmer. An diesem Abend wurde im Jungenzimmer viel geredet und gelacht, ohne dass auch nur ein Tropfen Alkohol dabei im Spiel war. Die Diskussion drehte sich so, dass Bernd in den Mittelpunkt der Diskussion rückte. Nico begann zu phantasieren, was denn wäre wenn er lebendig wäre. Man konnte sich ausmalen, wie er hinter den Leuten herrollte und seinen Charme spielen lassen würde um alle seine Ziele durchzubringen. Dann wollten die Jungen eigentlich schlafen, Nico, der noch eben die ganze Zeit Witze über Bernd gemacht hatte erschrak als er die Rollos vom Fenster hoch machte, damit man das Fenster auf Kippe machen konnte um auch bei Nacht ein wenig Luft in das Zimmer zu bekommen. Vor dem Fenster saß auf einem Stuhl, Bernd und er sah aus als wäre er sauer. Aber Bernd war nicht sauer, Bernd war nur sympathisch. Nach dem Schock gestanden Simone und Tanja, den Kürbis da hin geschleppt zu haben und der Abend klang fröhlich aus. Man ging früh schlafen, weil für den dritten und letzten Tag noch ein hartes Programm auf dem Plan stand.

Die Lehrer hatten sich eine ‚Strafe’ ausgedacht, für die Säufer, die im Gegensatz zu den anderen zu erledigenden Aufgaben ein Witz war. Die letzte Methodentrainingsübung war auch eine kritische Bewertung des Dreyen Aufenthalt, was hat ihnen gefallen, was nicht. Die Klasse HY 201 war sich einig, dass ihnen nicht gefallen hat, dass ihre Parallelklasse dabei war und ihnen hat sehr gefallen, dass sie Bernd den sympathischen Kürbis kennen gelernt haben. Bei den Aufräumarbeiten vor der Abreise, verabschiedete sich jeder auf seine Weise bei Bernd dem sympathischen Kürbis. Als dann endlich feststand, dass es nach Hause ging, war die Stimmung zwar gedrückt wegen Bernd aber irgendwie auch wieder fröhlich wegen der Vorfreude auf das kommende Wochenende. Auf dem Heimweg sprach man kaum ein Wort, die Trauer über den Abschied von Bernd hatte seine Spuren hinterlassen. Aber eines steht fest:

BERND IST EINER VON UNS!

(diese Kurzgeschichte ist genauso in der Abizeitung des Bacabi Jahrgangs des EGB damals erschienen)