Dienstag, 11. Januar 2000

The most beautiful girl in the world

“Do you know her?”

- “I think!”

“Who is it?”

- “You have to find out for yourself…!”

Samstagabend

22:30 Uhr

Die Party war in vollem Gange. Ganz allein saß dort an einem Tisch ein Mädchen. Sie hatte einen Krug Bier in der Hand. Sie schien traurig zu sein, sie hatte es nicht besonders schwer gemacht, das zu erkennen. Sie hatte eine schwarze, weite Hose mit silbernen aufgestickten Röschen an, die durch den seichten Wind ihre Beine am Knöchel umwehte. Sie trug ein sehr enges schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Gothic“ und darunter sah man ihre wohlgeformten Brüste. Da das T-Shirt nicht besonders lang war, konnte man ihren Bauchnabel von weitem durch einen Ring blitzen sehen, denn der Ring war immer blank geputzt.

Sie stand auf, ihr schwarzes Haar mit den roten Strähnchen fiel ihr ins Gesicht. Sie nahm eine ihrer Hände und strich durch das lange im Mondschein leuchtende Haar und ging zum Tresen. Sie sagte zum Kellner: „Ein Bier, bitte!“ Diese versuchte ihr ins Gesicht zu sehen, doch direkt nach der Bestellung senkte sie wieder ihren Kopf. Der Kellner gab ihr das Bier, sie nahm es und ging langsam zurück zu ihrem Tisch. Als sie wieder saß, fragte sie sich, ob es überhaupt jemanden interessiere, dass sie hier war. Jan hatte sie eingeladen, um ihr nicht das Gefühl zu geben, keiner würde sie mögen aber es war doch so. Mit diesem Bewusstsein und mit dem, dass zu Bostons „More than a feeling“ alle einen Tanzpartner hatten nur sie nicht, nahm sie ihren Bierkrug wieder in die Hand und versank in diesem!

23:00 Uhr

Ein junger Mann betrat die Örtlichkeit. Schwarze Hose, weißes Hemd und geputzte Schuhe. Er schritt langsam an der Theke vorbei und bestellte ein Bier, wartete kurz und ging weiter zu den Tischen. Er setzte sich an einen leeren Tisch, trank ruhig sein Bier und schaute sich um. Während er dies tat entdeckte er neben den vielen Alkoholleichen, den einigen Pärchen, den angetrunkenen Kellnern, die miteinander tanzten auch ein einsames Mädchen. Sie schien ganz allein am Tisch zu sitzen und nicht besonders fröhlich darüber zu sein. Er nahm all seinen Mut zusammen, seinen Krug Bier in die Hand und ging zu ihr herüber. Er näherte sich ihr und in ihr wuchs die Nervosität, er erreichte den Tisch und fragte leise: „Ist hier noch frei?“ Sie nickte langsam, sagte aber kein Wort. Er setzte sich ihr gegenüber an den Tisch und trank leise sein Bier. Ab und zu ein scheuer Blick zu ihr, doch immer wenn er schaute, tat er so als sei er auf sein Bier konzentriert. Sie schaute auch ab und zu hoch, irgendwie gefiel er ihr. Nach ein paar Minuten schauten sie plötzlich beide gleichzeitig auf und ihre Blicke trafen sich... ihre leuchtenden, beinahe traurigen Augen musterten die seinen, ein blau wie der Himmel, seine Nase, seinen Mund, den Bartansatz und das wallende blonde Haar. Er sah ihr Gesicht an...grüne Augen, süßes Stupsnäschen und ein Mund, der ein Lächeln verbarg. Das Piercing in ihrer Nase wirkte im ganzen einfach umwerfend auf ihn. Beide wollten etwas sagen, taten es aber nicht, sondern blickten sich nur an. Ihre Gesichter näherten sich, ohne dass sie davon Notiz nahmen. Sie taten nichts dagegen. Sie wollte ihn küssen und tat es, sie begann mit ihrer gepiercten Zunge langsam über seine Lippen zu streichen. Er ließ es geschehen und um sie herum verschwand alles bis auf den hell aufleuchtenden Mond. Sie saßen da und küssten sich leidenschaftlich. Er dachte an den Himmel und die Sterne, während er einen Engel küsste. Dann stoppten sie plötzlich, er setzte sich von der Bank gegenüber zu ihr direkt neben sie. Sie begannen mit innigen Umarmungen und er durchstrich mit seinen Händen ihre Haare. Dann nahm er ihre Hand und sprach mit fester Stimme zu ihr: „Wollen wir tanzen?“ „Ja, gerne...“, hauchte sie zurück. Sie gingen auf die Wiese, während Joe Cockers: „Most beautiful girl in the world“ lief. Er nahm sie in den Arm und küste ihr die Schultern und ihre roten Wangen. Nach dem tanz gingen sie zum Tresen, bestellten Wein und setzten sich an den Tisch zurück. Nach einiger Zeit des Schweigens nahmen sie den Wein und gingen Hand in Hand in einen der Hauseingänge. Als Jan’s bester Freund kannte er sich im Haus bestens aus und sie gingen mit dem Wein ins Schlafzimmer. Er nahm die Flasche mit dem Wein und stellte sie auf eine Kommode. Daraufhin zog er sich sein völlig durchgeschwitztes Hemd aus und nahm einen Schluck vom Wein. Dann trank er einen weiteren Schluck und sah gar nicht, dass sie sich aufs Bett geworfen hatte. Als er ein weiteres Mal nach der Flasche griff, da griff er ins Leere. Die Flasche stand nicht mehr auf der Kommode, sondern war in der Hand von einem Mädchen. Sie setzte die Flasche an und trank. Die Flasche war leer, als sie absetzte. Sie säuselte: „Nochmal das Gleiche, bitte! Hiks!“

Sonntagmorgen

Beide wachten mit kaum zu ertragenden Kopfschmerzen nebeneinander auf dem Bett liegend auf. Er drehte sich zu ihr, sie drehte sich zu ihm. Wieder überkam sie beide eine Art Gewitter. Ihre Gesichter näherten sich einander und sie waren im Begriff sich leidenschaftlich zu küssen, doch etwas hielt sie ab. Es war ein Räuspern aus dem Hintergrund. Sie ließen voneinander ab und sahen in Richtung Tür. Da stand Jan und er sah relativ mitgenommen aus. Man merkte ihm an, dass er lieber nicht fragen wollte, doch dann tat er es doch: „Hey, könnt ihr mir wohl helfen, die ganzen Besoffenen hier raus zu schaffen?“ Jan und sein bester Freund gingen aus der Tür, während Herbert noch sagte: „Wir sehen uns später!“ Herbert traute seinen Augen nicht, im ganzen Haus verteilt lagen Schnapsleichen und schlafende Pärchen herum. Er rannte zurück in das Schlafzimmer um sich mit ihr für einen späteren Zeitpunkt zu verabreden, doch sie war weg. Er ging betrübt zurück zu Jan: „Sag mal, wer war eigentlich dieses wundervolle Geschöpf mit dem ich die Nacht verbracht habe?“ Jan stutzte und sah ihn prüfend an: „Meinst du die Flasche Wein, die du dir auf die Maria gekippt hast?“ Herbert fragte nach: „Maria?“ - „Maria Cron, hat dir wohl ganz schön die Sinne vernebelt wie?“ – „Nein, ich mein, das Mädchen, mit dem ich eben im Schlafzimmer war als du reinkamst...Jan!“ – „Da war keiner... nur du und ne Flasche  Wein.... vielleicht mach ich das hier doch lieber alleine, du scheinst noch ganz schön einen im Tee zu haben!“ Herbert winkte ab und ging mit den Worten: „Ich ruf dich an, wenn ich wieder nüchtern bin! Sorry!“ Jan sah ihm hinterher, bis er die Haustür erreicht hatte. Dann ging er ins Schlafzimmer und suchte unter dem Bett nach der Flasche Maria Cron, die er jedoch nicht fand...

Time to ajieh

Seit nunmehr 1 1/2 Jahren ist der Ausruf „ajieh“ als Erkennungsschrei in den Sprachgebrauch meines geliebten Bruders und mir selbst übergega...