Freitag, 10. November 2006

Abschweifende Gedanken

Über das Sterben nachzudenken, kann ziemlich merkwürdig sein, vor allem dann, wenn es einen selbst betrifft...

Es gibt bestimmt Leute, die mich für schwach halten, von einem Menschen sprechen werden, der mit allem überfordert war, der ständig irgendetwas hatte, worüber er nörgeln musste, der nie zufrieden war, mit dem was er hatte, der immer mehr wollte, aber nicht bereit dafür zu kämpfen. Man kann von mir denken, ich würde öfter mal im Selbstmitleid baden, in der Tat tue ich das wohl öfter als ich das will, aber man kann mir nicht meinen Lebenswillen absprechen, dass ich mir Sorgen um mein Leben mache. Denn auch wenn das jetzt denen gegenüber, die versuchen für  mich da zu sein scheiße klingt ist es doch so, dass mich niemand so sehr lieben kann wie ich mich selbst und niemand es vermag mich zu retten, das will ich auch niemandem mehr aufbürgen!

Leukämie!

Ich weiß nicht, wem das was sagt, der das hier liest, ob das überhaupt jemand tut, eigentlich ist mir das mittlerweile fast schon egal, ich weiß nicht ob jemand nachvollziehen kann, wie man sich fühlt, wenn alles was man war, auseinandergerissen wird, von der Zeit, von den Menschen in deiner Umgebung, von den Ereignissen in deiner Entwicklung, vom Leben, dass du lebtest und du nicht weißt, warum?

Ich weiß nur, dass ich vielleicht bald sterbe, vielleicht auch nicht... wenn ich tatsächlich (es ist so beängstigend, darüber nachzudenken) mit all diesen Weltverbesserungsideen den Planeten verlassen soll, dann muss das ein Zeichen sein, dass die Welt nicht verbessert werden soll, dass der Untergangsfortschritt längst unumkehrbar geworden ist, aber was hat das schon mit der Welt zu tun, ach so ein Schmarn, noch steht ja nicht einmal fest, ob es überhaupt Krebs ist.

Die lächerlichsten Dinge bringen mich zum Weinen, ein Regentropfen, der auf die Fensterscheibe trifft, das Rauschen der Bäume, die im Sturm traurig ihre Kronen senken, ach es scheint, als würde ich viel intensiver meine Umwelt wahrnehmen, es scheint, als wäre das, was die Natur mir sagt, das Einzige was sich lohnt dem zuzuhören...

Ist das nicht schade, ich war so voller Vorfreude auf den heutigen Abend, seit Wochen habe ich mich darauf gefreut, aber irgendwie ist es so, dass ich keinerlei Vorfreudenempfinden dabei aufbaue, jene Freundin an ihrem Geburtstag zu besuchen, die mich aus einer kalten dunklen Höhle in die Nacht begleitete und mir Hoffnung gab, der ich verdanke nicht völlig dem Wahnsinn verfallen zu sein.

Wenn ich darüber nachdenke, dass ich das alles ohne den Einfluss eines gewissen Medikaments wesentlich besser weggesteckt hätte, dann verfluche ich den Tag an dem ich der Umstellung zugestimmt habe, vermutlich wäre ich dann heute nicht der sozialkritische, verwirrte Mensch, der ich bin aber vermutlich hätte es mir sehr viel Leid erspart!

Ich habe keine Angst vor dem Ende meines Lebens, ich wünsche es mir an so vielen Tagen herbei in der Hoffnung irgendetwas könne mich erlösen, von dem, was auf mir lastet, dem was mich nicht leben lässt! Ich habe mehr Angst vor dem Prozess des Sterbens selbst, ich will nicht und ich wollte nie auf einem Krankenhausbett krepieren, das ist der lausigste Tod, den ich mir vorstellen kann, ich wollte immer an einer Schussverletzung sterben, am besten eine Kugel mitten durchs Herz, oder im Gefecht, durch eine Bombe oder sonst etwas, von mir aus auch ein gezielter Kopfschuss aber nie und nimmer in einem Krankenhausbett, ich will nicht wieder in ein Krankenhaus, nie wieder...

Ich bin mittlerweile seit fast 3 Tagen wach oder sind es 4? Keine Ahnung,  ich kann einfach nicht schlafen, ich habe Kopfschmerzen, meine Augen schmerzen und schon seit gestern, also als das letzte mal hell war vor heute Nacht, fühle ich mich schlapp und kann mich kaum auf den Beinen halten, ich sage Freunden und Bekannten, wenn sie mich fragen, dass ich schlafe, aber eigentlich liege ich nur auf meinem beschissenen Schlafsofa und starre an die Decke oder aus dem Fenster oder sitze Chips verspeisend vor der Glotze und sehe mir irgendwelchen Scheiß an, den ich mir von meinem erschnorrten Geld gekauft habe! Was für ein beschissenes Dasein, dieses Vegetieren, ab und an geht man mal raus, trifft wen, von dem man sich erhofft, dessen Gesellschaft gibt einem das Gefühl, Teil von irgendwas zu sein und muss immer wieder feststellen, dass das einzige wovon man ein Teil ist, das ist, was in den Morgenstunden von der Müllabfuhr und Stadtreinigung weggemacht wird, das was andere Leute wegschmeißen, das was der Gesellschaft nicht gut genug ist, wo sich höchstens die Ratten und anderen Ungeziefer drüber freuen... der Müll, der Abfall, die Reste...

Wie kann jemand, der sich selbst eigentlich mag und der immer gerne polarisiert hat, der sich provokativ immer in den Mittelpunkt bringen musste so ein Wrack werden? Ist es wirklich nur ein Präparat, dass ihn an den Rande seiner Selbst bringt, dass ihm die Seele nimmt und sein Herz bricht, ich glaube kaum... was hat mir nur den Glauben und die Hoffnung genommen?

Ich denke nicht, dass der Krebs mich töten kann, niemand vermag das, ich vermag es nicht einmal selbst zu tun! Manche Menschen sind eben dazu bestimmt zu leiden, dazu bestimmt, um anderen zu verdeutlichen, wie sinnlos die Existenz an sich ist...

Sterben müssen wir alle, die einen früher, die anderen später! Man sollte nie zu schnell und voreilig mit seinem Todeswunsch sein, wenn man vor dem Tod keine Angst mehr hat, wovor soll man sich dann noch fürchten? Vielleicht vor dem einzigen, was einem wirklich Angst machen sollte, dem Leben und sich selbst. Ich kann nicht mehr fühlen, nur noch Kälte, aber ich will fühlen. Den Schmerz, die Trauer, die Wut, den Hass, einen Gefühlsausbruch wünsche ich mir so sehr... alles ist verborgen unter den Trümmern, des Eispalasts, den meterhohen Schichten aus gefrorenen Träumen, manchmal sehe ich mein Herz vor mir liegen in einer Plastikverpackung und will ich es mit meiner Hand berühren oder ergreifen, beschlägt die Folie und ich weiche zurück vor der Kälte, die es umgibt... ich will fühlen, die Zuneigung, die Wärme, den Zauber, die Freundschaft, die Liebe, die Farben, all das was meine Welt einst ausmachte, wo ist es hin? Ich blick nach draußen und es schneit, mach das Fenster auf will eine Flocke greifen, und bemerke, dass ich mir den Schnee nur einbilde, vielleicht sogar wünsche. In Wirklichkeit fällt unaufhörlich der Regen und klopft an die Scheibe. Ich streiche mir über die Wange und merke, dass sie feucht sind, sehe in den Spiegel und bemerke, der Regen ist nur in mir...

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