Sonntag, 23. Oktober 2005

Vermisst uns die Welt überhaupt?

Ein Denkanstoss

 

Warum werden täglich tausende Menschen Opfer von Gewaltverbrechen und in den Nachrichten werden vielleicht drei oder vier Fälle in einem 20sekündigen Satz abgehandelt, der den Angehörigen und den Bekannten der Ermordeten nicht im Geringsten gerecht werden. Es geht nicht darum, die Medienpräsenz, der brutalen Welt, in der wir leben zu kritisieren, die mit ihrer Berichterstattung zwar zur sozialen Kälte und der Ignoranz des menschlichen Lebens beiträgt aber nicht allein verantwortlich zu machen ist. Die Medien, sind schon immer über Leichen gegangen um Quote zu machen, die einen mehr, die anderen weniger, doch wenn nicht einmal mehr der Respekt vor dem Einzelnen bleibt, dann ist das eine Verrohung, die unumkehrbar voranschreitet. Die Sendezeit erlaubt es den Fernsehstationen nicht, tägliche Todesliste von allen an jenem Tag gestorbenen zu veröffentlichen, warum? Weil man lieber am Abend noch einen Actionfilm zeigen muss, der wieder einige Personen den filmischen Tod kostet. Ist das richtig? Nehmen wir das Beispiel der Katastrophe vom Erdbeben isn Pakistan... Die Medien berichten zwei oder drei Tage aus der Region, machen ein Riesenevent daraus, bei dem es ungefähr 50.000 Tote gegeben haben soll, aber nach diesen 3 Tagen, interessiert es keinen mehr, wie es weitergeht. Jeder Mensch, der dort gestorben ist, ist genauso umsonst gestorben, wie jeder, der zum Jahreswechsel dem verheerenden Tsunami in Südostasien zum Opfer gefallen ist, bei dem es 300.000 Opfer gab, denn sie geraten in Vergessenheit. Und niemand von Ihnen hat eine Persönlichkeit. Die Regierungen der Welt behaupten, dass der 2. Weltkrieg vorbei ist und das es sich dabei um einen schrecklichen Krieg gehandelt hat, von Menschen gegen Menschen aber hat dieser so genannte Frieden irgendeinen Vorteil zum Krieg. Na klar, man geht raus und muss keine Angst haben, die eigene Stadt würde in den nächsten Stunden zerbombt, aber dennoch lebt man in einer ständigen Konfrontation mit dem Tod, nur dass er nicht als feindliche Militärmacht vor den Stadttoren wartet sondern durchs Fernsehen in die Wohnzimmer der Menschen gebracht wird. Da frage ich mich, ob das verantwortungsvoll ist, vor allem ob es richtig dargestellt ist, denn auch wenn uns weißgemacht werden soll, es handle sich um die Rückschläge der Natur, gegen unsere ach so falsche Umgehensweise mit unserem Planeten, handelt es sich vielmehr um den Beweis, dass die Menschheit kein Recht darauf hat sich irgendetwas auf ihre Technologie und Intelligenz einzubilden. Denn wer sich ein wenig mit der menschlichen Evolution beschäftigt hat, der weiß bestimmt, dass es sich dabei um einen äußerst unwahrscheinlichen Zufall handelt, der es überhaupt ermöglichte dieses Leben zu erlangen. Wir müssen uns vor Augen führen, dass die Herrschaft der Menschen in Hinblick auf unseren Planeten nicht länger sein wird, als einige Flügelschläge einer Eintagsfliege. Wenn man sich gerade dies vor Augen führt, ist es eine nicht so große Tragödie, dass 300.000 Menschen einem Tsunami zum Opfer fallen oder 50.000 von einem Erdbeben getötet werden, sondern vielmehr der Umgang der restlichen Menschheit mit diesem Problem. Wie steht es mit dem Rudelbewusstsein, des einzelnen? Es geht nicht um die Frage ob es schlimm ist, dass 100.000ende sterben, die Opfer einer Naturkatastrophe, Hungersnot oder eines Krieges sind, sondern ob es schlimm ist, würde nur ein Mensch auf dieser Welt sterben? Warum bewegen die Tode von höher gestellten Persönlichkeiten größere Massen, als der Tod eines Bauern? Ist das gerecht, einen Staatschef, der dieses durch seine politische Laufbahn mit einem dicken Bargeldkonto geworden ist ein Begräbnis mit 100.000enden Trauernden zu gestatten, während ein x-beliebiger Nachbar von jemandem nicht mal einen Sarg bezahlen kann und ohne das Beisein, der Familie stirbt und in einer Prozedur von 15 Minuten zu Asche verbrannt wird und seine Reste in einer Urne in ein x-beliebiges Erdloch geschmissen werden? Nur weil der X-Beliebige keine Bekanntheit erlangt hat, weil er die größte Zeit seines Lebens einsam und allein in einem stillen Kämmerlein zurückgezogen fernab der Welt, die ihn verstoßen hat gelebt hat und sich keiner besonderen Beliebtheit durch seine von der Geburt an gegebene Krankheit erfreut hat bekommt der X-Beliebige keinen Tag auf einem Fernsehsender, der dessen Namen trägt und sich mit seinem Leben beschäftigt. Ist es nicht so?

Man könnte es noch drastischer formulieren, wenn Sie die Entscheidung treffen müssten, ob eine bekannte Größe der Showbranche, die Sie vielleicht gut finden oder Ihr verhasster Nachbar zum Tode verurteilt werden sollten, würden Sie sich nicht für den Nachbar entscheiden? Sind wir Menschen wirklich so kalt und nur auf unser eigenes Wohl bedacht, dass es uns egal ist, was mit allen anderen passiert. Ich bin enttäuscht von der Menschheit und ich schäme mich selbst ein Mensch zu sein, weil ich zu oft miterleben musste, dass Menschen einen täglichen Krieg gegeneinander führen, der jedoch nicht zu gewinnen ist, da es keine Seiten gibt, für die man sich entscheiden könnte. Keine Alternative, für niemanden. Jeder Mensch hat die Zeit seines Lebens nicht anderes im Sinn als dessen Sinn herauszufinden oder aber dem Ende zu entrinnen, was jedoch wenn das Ende der Sinn ist, welche Existenzgrundlage bleibt dann, für viele ist es wohl das Geld geworden, denn wenn man schon begrenzte Zeit unter den Milliarden wandelt, will man wenigstens die gegebene Zeit nutzen und sich über alle anderen erheben können, sei es nun mit Macht, Geld oder anderen Instrumenten zur Stärkung des Selbstbildes. Welchen Sinn sehen wohl die Menschen im Leben, die Tag für Tag vom Hungertod bedroht sind und denen täglich Familienangehörige wegsterben, weil sie weder Geld noch Macht haben, noch nicht einmal essen, haben diese Leben einen Sinn? Wenn diese Leben keinen Sinn haben, warum werden Menschen dann geboren, ist die Menschheit vielleicht nur die Zwischenstation zu etwas anderem? Einer Lebensform, die den Gegebenheiten des Planeten besser angepasst ist und die nicht nur eine Geißel ihres Gehirns ist, welches Ihnen vorgaukelt, das es etwas gibt, wonach man streben muss. Aber solange, werden wir es meiden uns einzugestehen, dass wir, die schrecklichsten Bestien, die diesen Planeten je belebt haben, nicht einmal unsere eigene Art respektieren und uns absolut egal ist, was mit dem Menschen passiert, der nur eine Tür entfernt lebt. So wird es dann auch mit uns zu Ende gehen, jeder stirbt für sich. Etwas anderes haben wir Menschen nicht verdient!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Butando 9

Ich habe damals, wenn ich Fifa gespielt habe und als es damals den Editor gab, immer einen ganz speziellen Fußballer erstellt. Den Brasilian...