Dienstag, 8. Juli 2008

Ich hatte ein Alkoholproblem!!!

Der Alkohol hatte längst die Rolle seiner Freunde übernommen. Jener Menschen, die er im Laufe der Jahre verloren oder selbst aus seinem Leben gedrängt hatte. Er hatte sie vernachlässigt, bis schließlich nur noch eine einzige Konstante blieb.

Der Alkohol nahm ihren Platz ein. Doch anders als Freunde hörte er nie auf, mehr zu verlangen.

Zuerst verlangte er nur den Feierabend. Dann das Wochenende. Schließlich jeden Abend. Irgendwann gehörten ihm die Nächte, die Tage und alles dazwischen.

Er versprach Trost, doch er lieferte nur Betäubung. Er versprach Ruhe, doch er hinterließ nur Stille. Er versprach Nähe, doch am Ende saß er allein mit einer Flasche am Tisch.

Mit jedem Schluck wurde der Alkohol weniger zu einem Getränk und mehr zu einem Mitbewohner. Er sprach nicht. Er urteilte nicht. Er wartete einfach. Geduldig. Bis er wieder eingeschenkt wurde. Alles andere verlor an Bedeutung.

Autofahren. Schnaps.
Nach Hause kommen. Schnaps.
Essen. Vielleicht. Schnaps.
Schlafen. Schnaps.

Und kaum war die Flasche leer, begann ihre Abwesenheit lauter zu schreien als jede menschliche Stimme. Er verließ die Wohnung nur noch, um Nachschub zu besorgen. Bier und Schnaps sollten ihn durch den Rest des Tages tragen. Mehr brauchte er nicht – jedenfalls redete er sich das ein.

Mit der Zeit besaß er den Alkohol nicht mehr. Der Alkohol besaß ihn.

Er war sein einziger Gesprächspartner geworden. Sein einziger Zuhörer. Sein einziger Trost. Der letzte Gast, der niemals ging.

Mit fast zwei Promille glaubte er sogar, klarer denken zu können. Dabei hatte der Alkohol längst begonnen, für ihn zu denken. Er traf seine Entscheidungen, bestimmte seinen Rhythmus und schrieb unbemerkt das Drehbuch seines Lebens um.

Und während er glaubte, die Flasche in der Hand zu halten, war es längst die Flasche, die ihn fest umschlossen hatte.

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